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Benji

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Samstag, 14. Dezember 2019, 06:24

Ein Wiedersehen nach 3 Jahren

Guten Morgen!

Ich bin zwar nicht direkt neu hier, aber doch war ich schon länger nicht mehr zu Besuch und ich möchte gerade einfach ein bisschen rauslassen.

Zunächst einmal zu mir und meiner Anamnese. Ich bin Ben, aktuell 24, 2016 diagnostiziert mit paroxysmalem Vorhofflimmern ohne weitere Symptome. Herz ist sonst gesund, Lungenkrankheiten sind auch keine da, lediglich leicht erhöhter Blutdruck. Das Flimmern kam damals immer in sehr unregelmäßigen Abständen, vor allem in aufregenden und stressigen Situationen.

Nach meiner Diagnose im Krankenhaus und einer Kardioversion nach etwa 7 Stunden Flimmern, wurde ich noch zwei Tage dabehalten und danach entlassen. Ich suchte mir einen Kardiologen, mit dem ich seitdem auch alle meine Nachfolgeuntersuchungen mache. Er verschrieb mir zunächst Metoprolol und Xarelto
Das Xarelto wurde nach einem halben Jahr etwa ersetzt durch Aspirin, das Metoprolol durch Bisoprolol und die Dosis wurde inzwischen auf 2,5mg am Tag gesenkt.

Einen konkreten Grund für das Vorhofflimmern konnte er jedoch bisher nicht finden. Faktoren die dazu beitragen könnten: ich bin Übergewichtig, was durch die Betablocker noch verstärkt wurde; ich habe durch mein Studium und meinen Nebenjob am Schreibtisch im Alltag wenig Bewegung und ich habe leicht erhöhten Blutdruck. Zudem habe ich seit Jahren eine Angststörung, durch die ich früher sehr starke und häufige Panikattacken hatte. Angeblich kann der Stress davon auch beigetragen haben.

Nun dachte ich ich fahre mit den Betablockern soweit ganz gut und mein Alltag wäre zu einer Art Normalität zurückgekehrt. Ich hab mir letztes Jahr sogar einen Lebenstraum erfüllt und war für drei Monate in Japan.

Es gab nur einen Zwischenfall, wo ich mit einer akuten Sehstörung im Krankenhaus gelandet bin, und drei Tage in der Stroke-Unit verbringen durfte. Allerdings haben alle Unteersuchungen gezeigt, ich hätte keinen Schlaganfall gehabt und die Sehstörung kam entweder von einer Migräne oder sie war psychosomatisch.

So oder so war ich die letzten Jahre aber so gut wie durchgehend im Sinusrhythmus.

Und jetzt, seit ein paar Tagen, ist irgendwas falsch. Fast ausschließlich Abends habe ich plötzlich immer wieder so ein komisches Gefühl in der Brust. Ein Gefühl, wie beim Vorhofflimmern, doch immer nur für einen Herzschlag. Es rasselt kurz, der Schlag ist stärker, es fühlt sich an wie ein beginnender Anfall vom Vorhofflimmern. Und ich bekomme langsam Angst, dass mein bisher recht entspannter und einfacher Umgang mit der Situation demnächst nicht mehr sein wird. Ich bin ein ziemlicher Hypochonder und hatte in den letzten Jahren auch bei einem Psychologen Hilfe gesucht. Dadurch wurde es besser, doch diese kurzen Aussetzer der letzten Woche machen mir trotzdem Angst.

Mein Kardiologe hatte gesagt, dass ich eventuell mal ganz ohne Medikamente auskommen könnte. Ich möchte diese Hoffnung nicht aufgeben müssen.

Ich weiß, dass das von mir hier gerade wirkt wie Meckern auf hohem Niveau. Ich weiß, dass hier sehr viele Leute sind, die sehr viel ernstere Probleme haben als ich und ich möchte nicht so wirken, als bilde ich mir ein ich hätte hier das schlimmste Los gezogen. Ich weiß nur nicht wem ich meine Sorgen gerade mitteilen könnte, der sie auch nachvollziehen kann wie jemand, der auch Herzprobleme hat.

Mit besten Grüßen
Ben

Wintermute

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2

Samstag, 14. Dezember 2019, 20:25

Hi,

Das klingt nach Extrasystolen. Die sind idr unbedenklich (wenn Herz ansonsten ok) aber können natürlich ziemlich nerven. Lass aber am besten mal ein LZ Ekg machen!

Lg

Peter

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3

Dienstag, 17. Dezember 2019, 11:19

Flimmern

Ich hatte auch paroxysmales Vorhofflimmern. Nach 1,5 Jahren, habe ich dann 2 Pulmonalvenenisolation machen lassen, weil alle Medikamente versagt haben. Das letzte war Amiodaron.
Der 2. Eingriff war dann erfolgreich, das war im Februar 2016. Wenn ich das hatte, dann immer für 20-24 Stunden. Das Flimmern hat mir die letzte Kraft aus dem Körper gepustet, wenn es weg war, dann habe ich mich erschöpft gefühlt. Kaum zu glauben, dass es Menschen gibt, die das überhaupt nicht merken.


Am Abend der 2. Entlassung habe ich dann Vorhofflimmern bekommen. Ich bin dann ins Bett gegangen und war nach 5-6 Stunden wieder wach. Das war das 1. Mal, dass nach so kurzer Zeit alles wieder okay war. Das war das letzte Mal, dass ich Flimmern "aus dem Nichts" hatte. In den folgenden Wochen hatte ich mich beim Radfahren einmal überanstrengt und habe es damit ausgelöst. Und ich hatte es innerhalb von 3 Tagen noch zweimal.


Grund dafür war, dass ich Eis gegessen habe. Ein paar Löffel reichten aus, und alles begann. Ich konnte mich dann erinnern, dass es das 2015 auch 2 oder 3 Mal gegeben hat. Damals hatte ich das aber so oft, dass ich es nicht zuordnen konnte. Seit dieser Zeit esse ich kein Eis mehr. Ob heute etwas passieren würde, weiß ich nicht. Ich verzichte lieber für den Rest meines Lebens auf Eis.


Danach gab es eine lange Phase, in denen ich auch immer wieder einmal einen Herzschlag zu viel hatte. Später war das auch weg, dafür ging die Frequenz für einige Sekunden rauf. Das ist inzwischen aber sehr selten. Vielleicht haben "normale" Menschen solche Unregelmäßigkeiten auch, die merken es nur nicht. Wir Flimmerer haben natürlich gelernt, die Flöhe husten zu hören.


Ich bin inzwischen aber 59 und Übergewicht kenne ich nicht. Ich mache sehr viel Sport und fahre pro Jahr 9000 km mit dem Rad. Das Übergewicht solltest Du nicht hinnehmen. So wie Du das beschreibst, sind es vermutlich einige Kilo. Und Du bist erst 24. In den nächsten 20 Jahren wird es weiter ansteigen. Das ist völlig normal.


Mein Beitrag ist übrigens keine Werbung für eine Pulmonalvenenisolation. Einige haben mir das damals empfohlen, als wäre es das Entfernen von Zahnstein. Das 1. Mal hat es bei mir nichts verbessert. Wäre ich mit den Medikamenten gut ausgekommen, hätte ich es sicher nicht gemacht. Es ist sicher keine Operation am offenen Herzen, aber immerhin haben die Eingriffe 1,5 und beim 2. Mal 5 Stunden gedauert.

Benji

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Freitag, 20. Dezember 2019, 01:47

Zunächst danke für die Antworten!

Ich war jetzt die Woche tatsächlich bei meinem Kardiologen, der mir einen Termin für ein LZ EKG gegeben hat
Hat auch ein Ruhe-EKG gemacht und ein Herzultraschall, wobei beides normal war. Sinusrhythmus, normale Pulsfrequenz, guter Blutdruck. Keine Anzeichen auf eine Myokarditis oder sonst was in die Richtung. Er sagte es sei also zunächst unbedenklich wenngleich nervig. Ich nehm jetzt wieder eine höhere Dosis Bisoprolol, von 2,5 auf 5mg, sowie wieder Escitalopram gegen meine Angststörung. Ich hab tatsächlich seither weniger Extrasystolen und sie sind nun wirklich ausschließlich Nachts. Gestern hatte ich fast gar keine!

Ich bin öfter an die Luft gegangen - joggen im Winter ist etwas blöd, daher geh ich gerade lange spazieren. Ist ja auch Bewegung, schaden kanns zumindest nicht.
Die paar neuen Kilos hab ich mir wirklich als Kummerspeck angefressen, nachdem meine letzte Beziehung zu Ende ging. Ich glaub viel von dem Kummer und Herzschmerz nach der Trennung ist hängen geblieben, was vermutlich nicht unbedingt gut fürs Herz ist.

Ich hoffe mal ich kann mich noch lange ohne Ablation halten, auch Wenn's eines Tages vielleicht nicht mehr zu vermeiden ist, aber irgendwie hab ich auch Angst davor. Gleichzeitig hab ich oft gelesen, dass jüngere Patienten besser auf eine Katheterablation anspringen als ältere, was ja eigentlich heißt ich sollte sie lieber früher als später machen...

Jedenfalls versuche ich jetzt die Feiertage trotz eventueller Extrasystolen zu genießen und mich nicht deswegen verrückt zu machen.

Wintermute

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Mittwoch, 25. Dezember 2019, 12:51

Hi Ben,

schön dass es schon wieder besser ist. Bei mir ist das mit den ES auch sowieso sehr untschiedlich, zeitweise verspüre ich recht viele (was dann auch mal richtig nerven kann, gerade wenn man mit etwas beschäftigt ist was volle Konzentration erfordert und es dann alle paar Schläge, jeden 2. oder 3., o.ä., poltert), zeitweise sind es nur sehr wenige am Tag. Eine zuverlässige Korrelation mit irgendetwas habe ich bisher nicht gefunden. Günstig scheint mir aber zu sein Kalium und Magnesium im höheren normalen Bereich zu halten. Kannst ja mal berichten was bei deinem lz ekg herauskommt.

Rein interessehalber, wie fühlt sich denn das Vorhofflimmern für dich an?

Liebe Grüße
Wintermute

Benji

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Sonntag, 29. Dezember 2019, 01:31

Hi zusammen,

über die Feiertage habe ich tatsächlich gar nichts gespürt. Bisher hält es an, mal sehen wie lange! (Ich hoffe lange)
Woher die Systolen bei mir kamen kann ich auch nicht sagen, es ist seltsam. Wieso ich überhaupt mit Anfang bzw. Mitte 20 Vorhofflimmern habe ist eh ein Mysterium. Aber das mit dem Kalium und Magnesium werd ich mir mal genauer ansehen, ob das bei mir vielleicht ähnlich ist.

Das Flimmern, wenn ich es tatsächlich bekomme, ist schwer zu beschreiben. Ich merke es allerdings jedes Mal. Am nächsten kommt es an das Gefühl ran, was man hat, wenn man Schleim in der Lunge hat und husten muss, wie bei einer Bronchitis zum Beispiel. Es ist wie ein Blubbern im Bereich meines Sternums, was dann mit jedem schlag so ein bisschen in den Hals hochbrodelt. Auch ein bisschen so, als würde jemand mir kontinuierlich leicht in die Kehle schlagen.

Peter

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Dienstag, 31. Dezember 2019, 19:59

Ich hoffe mal ich kann mich noch lange ohne Ablation halten, auch Wenn's eines Tages vielleicht nicht mehr zu vermeiden ist, aber irgendwie hab ich auch Angst davor. Gleichzeitig hab ich oft gelesen, dass jüngere Patienten besser auf eine Katheterablation anspringen als ältere, was ja eigentlich heißt ich sollte sie lieber früher als später machen...
Das kann man auch anders sehen. Mein Kardiologe sagte mir damals, dass die Verfahren von Jahr zu Jahr besser und sicherer werden.
Und solange der Betablocker gut wirkt, würde ich daran überhaupt nicht denken. Ich habe es in Bad Rothenfelde machen lassen. Die sagten damals, dass sie es bereits 100000Mal gemacht hätte, gestorben wäre noch niemals jemand.

Benji

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Montag, 10. Februar 2020, 06:23

Moin!

Also, ich hatte jetzt mein LZ-EKG und mein Kardiologe sagte mir es sähe alles wunderbar aus, alles rhythmisch und rund. Das ist natürlich erstmal sehr schön. Ich hatte auch nach Weihnachten bis Ende Januar absolut keine Beschwerden.

Allerdings, seit meinem EKG, scheine ich wieder Extrasystolen zu bekommen. Ich kapier es einfach nicht - wieso ist das EKG perfekt aber jetzt geht es wieder los?

Ich warte jetzt erstmal ab bevor ich wieder zum Arzt gehe, akut gefährlich sind die Systolen ja nicht - wenn sie überhaupt da sind und ich nicht vielleicht was ganz anderes spüre. Aber es nervt mich langsam ziemlich.

Wolle

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Wohnort: Hamburg

Beruf: Manager eines ökotrophologischen Kleinunternehmens

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Montag, 10. Februar 2020, 11:27

Moin,

ich sehe da so ein paar Baustellen bei dir. Meint Tip wäre, dass du dir eine Sportart suchst, die dir viel Spaß macht. Was, ist nicht so wichtig, hauptsache, dass es eine tolle Gruppe mit einem guten Trainer oder Trainerin ist, in der du dich wohl fühlst. Dann wirst du wie von selbst fitter.
Ich persönlich bin Fan der asiatischen Kampfkünste und betreibe seit vielen Jahren Aikido. Taiji wäre auch nicht schlecht. Wichtig für dich wäre auch, dass die Gruppe nicht wettkampforientiert ist, so kommst du nicht in die Versuchung, dich zu überfordern. Ein guter Trainer wird nie mehr von dir verlangen, als du leisten kannst.
Das Ganze würde dir von Gewicht, Blutdruck und von der Kreislaufstabilität her sehr gut tun. Dazu kommt, dass die Kampfkünste sehr gut sind für die Seele. Sie können mental stabilisieren, weil sie das Selbstbewusstsein stärken.
Grüße, Wolle

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Meine Gesundheit ist mir zu wichtig, um sie den Ärzten zu überlassen.